Zählt meine Meinung denn gar nicht?


Das geplante große Gewerbegebiet bei Oppin/Tornau

Die geplante Nordosttangente in Halle Saale
Mehr Lkw-Verkehr, Lärm und Feinstaub durch Gewerbegebiete und die Nordtangente parallel zur Autobahn.

Das geplante große Gewerbegebiet bei Oppin/Tornau


Halle möchte das ein neues riesiges Gewerbegebiet bei Oppin/Tornau schaffen. 175 ha, nur die Erschließungskosten betragen alleine mehr als 100 Millionen Euro [1]. Begründung: Der Star-Park hat in den letzten Jahren einen Ansturm der Logistikbranche erlebt. Durch den Verkauf von rund 33 ha an den Immobilienkonzern Goodman (u.a. für den Möbel-Händler Home24) vor wenigen Monaten ist er nun zu 75% ausgelastet. Die Stadtverwaltung geht von einem weiteren starken Wachstum der Weltwirtschaft und damit des Star Parks aus, übersieht aber das die Faktoren, die die starke Wirtschaft bisher angetrieben haben (niedrige Zinsen und Geldschwäme durch die EZB) sich ändern. Auch ist es wirtschaftlich unsinnig, die mit einem zweiten Gewerbepark selbst Konkurrenz zu machen. Mehr Angebot führt zu geringeren Preisen.

Gewerbegebiet bei Oppin/Tornau an der A14

Mehr Felder als Gewerbeflächen - Star Park ausgelastet?

Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete den Star Park im Kommunalwahlprogramm 2014–2019 als „unsinniges Großprojekt“ und schreibt:
Halle (Saale) befindet sich immer noch in einer sehr prekären Haushaltssituation. Altschulden schränken die Handlungsspielräume der Stadt drastisch ein. Die wenigen Spielräume werden nicht immer klug genutzt und die Haushaltsprobleme durch eine Reihe von Fehlentscheidungen auf städtischer Seite verschärft. So wurden z. B. am Industriegebiet an der A 14, dem sog. „Star-Park“ entgegen den grünen Warnungen ca. 50 Mio. € städtische Mittel eingesetzt, die sich durch die bisher erfolgten Ansiedlungen in keiner Weise rechtfertigen lassen.


Die MZ schrieb am 12.9.2018:
"Zum Goldesel für den Haushalt hat sich der Star Park aber noch nicht entwickelt. 2016 flossen rund 50.000 Euro an Gewerbesteuern an die Stadt. "
Die Planungs- und Erschließungskosten betrugen 101 Millionen Euro, 35 Mil. Euro wurden bisher durch Grundstücksverkäufe wieder eingenommen. Bei 50.000 Euro an Gewerbesteuern macht das unterm Strich eine Rendite von 0.07% pro Jahr. Gut wirtschaften sieht anders aus. Aber es werden doch auch Jobs geschaffen!? Ja, aber zu einem zu hohen Preis. Wenn jeder Job mehrere zehntausende Euro kostet, sollte man lieber das Geld direkt den Arbeitern auf das Konto überweisen. Auch zählt die Transport- und Logistikbranche laut einer Studie der Zeitschrift WELT als unattraktivster Arbeitgeber.

Obwohl die Logistikbranche boomt, sind die Arbeitsplätze dort am meisten gefährdet. Karl-Heinz Brandl, Bereichsleiter Innovation und Gute Arbeit bei der Gewerkschaft Ver.di, betont: „Arbeitsplätze in allen Branchen und Bereichen werden im Zuge der sogenannten Arbeit 4.0 ersetzt beziehungsweise werden aktuell bereits von Maschinen oder Softwareprogrammen übernommen.“ Zitat aus der Branchenzeitschrift Logistik Heute: "Beruf Staplerfahrer stirbt aus: Peter Duss, Geschäftsleiter der Xelog AG, geht beispielsweise davon aus, dass Logistikdienstleister in absehbarer Zeit auf Staplerfahrer verzichten können, da diese Aufgaben mehrheitlich von Fahrerlosen Transportsystemen übernommen werden.".
Das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme geht davon aus, dass die erste eigenständige Lkw-Fahrt auf geschlossenen Betriebgelände 2019 beginnt, siehe Artikel Die Tage des Truckers sind gezählt. Autonome Betriebshöfe und selbstfahrenden Lkw können 24 h rund um die Uhr betrieben werden, ein enormer Vorteil für jedes Logistikunternehmen. Wer da nicht mitmacht, hat keine Change im harten Wettbewerb zu bestehen. Warum investiert die Stadtverwaltung so viele Millionen in solche gefährdeten Jobs, anstatt in die zukunftsicheren und gut bezahlten Jobs, die solche Technik entwickeln und warten?
Mark Zuckerberg sagte 2017 nach einem Treffen mit LKW-Fahrern und Leuten aus der Branche:
Everyone I met was skeptical self-driving trucks would replace jobs for different reasons. .... From all the research I've seen, I'm confident we'll solve these problems. But it's interesting that people in the industry don't believe this will happen soon.
Jeder, den ich traf, war skeptisch, dass selbstfahrende Lastwagen aus verschiedenen Gründen Arbeitsplätze ersetzen würden........ Von all den Recherchen, die ich gesehen habe, bin ich zuversichtlich, dass wir diese Probleme lösen werden. Aber es ist interessant, dass die Menschen in der Branche nicht glauben, dass dies bald geschehen wird.
Die Stadt hat und will weiter viel Geld in Lagerflächen für Firmen aus Berlin, Herzogenaurach, Bonn oder den USA ausgeben, und glaubt die vielen neu geschaffenen Jobs sind diese riesige Investitionen wert. Leider sagt jede Studie über die Zukunft der Arbeit gerade für diese Branche den Wegfall der meisten Jobs voraus.
Nichts gegen den Star Park, aber weitere 100 Millionen für die Betonierung einer neuen riesigen Fläche, obwohl der Star Park nur zu 75% ausgelastet ist, die Stadt hoch verschuldet ist, und diese bisher so stark gesponserte Branche keine zukunftsichern Job schafft, ist einfach unverhältnismäßig.

Das erkennt auch die Landsregierung: Die MZ schreibt in ihrem Artikel Minister übt Kritik an Politik von OB Wiegand, nach dem Schaeffler angesiedelt wurde:
Bildungsminister Marco Tullner (Chef des CDU-Kreisverbandes Halle) reagierte mit kritischen Tönen auf die Ansiedlung der Schaeffler-Gruppe (eine der größten Firmenansiedlungen seit der Wende in Halle und in Sachsen-Anhalt) im Star Park Halle. „Bei aller Freude über neue Jobs. Hier werden Chancen verspielt. Strategische Wirtschaftspolitik sieht anders aus“. Und weiter:
„Der Star Park wurde von Land und Stadt entwickelt, um innovative und produzierende Zukunftsbranchen in Halle anzusiedeln“, erklärt Tullner. Wissenschaft und Wirtschaft sollten besser vernetzt, mehr Perspektiven haben. Und gut bezahlte Jobs sollten entstehen. Jetzt kämen die Logistiker. Nach DHL, Hellmann, Fiege und Radial ist Schaeffler bereits das fünfte große Logistikunternehmen, das sich im Star Park niederlässt.
Was wohl Herr Tullner gesagt hat, als danach mit Home24 noch ein großes Logistikunternehmen angesiedelt wurde?

Die Städtische Zeitung schreibt: Gewerbegebiet Tornau soll für 95 Millionen Euro entwickelt werden:
Ein Multimillionenprojekt, das hinter verschlossenen Türen und praktisch ohne öffentliche Debatte beschlossen werden soll? Im Finanzausschuss steht am heutigen Dienstag, dem 22. Mai 2018, ein Grundsatzbeschluss zur Entwicklung eines neuen Gewerbegebiets in Halle-Tornau auf der Tagesordnung. Zur abschließenden Entscheidung. Das heißt, dass der Stadtrat den Grundsatzbeschluss nicht noch einmal auf den Tisch bekommt. Und auch die Öffentlichkeit soll offenbar keine genauen Details erfahren. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (Stroh) verweigert seit Mittwoch vergangener Woche die Beantwortung einer Anfrage der Städtischen Zeitung zu den genauen Plänen.


Für das Gewerbegebiet bei Oppin/Tornau sollen 175 ha (so viel wie 250 Fußballfelder) sollen betoniert werden, direkt am Lutherwanderweg, Europawanderweg E11 und am Franzosenstein wird von vielen Hallensern aus Ausflugsziel mit Hund und Familie genutzt. Zu jeder Zeit trifft man hier Jogger, Hundebesitzer, Fahrradfahrer. schönsten Radweg von Halle zum Petersberg. Dieser verläuft dann an einem riesigen Industriegebiet anstatt an Wälder und Felder. 95 Millionen Euro will die Stadt dafür bezahlen. Ein riesiges Sponsoring der Logistikbranche für mehr LKW-Anlieferverkehr.
Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt - sondern von unseren Kindern geliehen.

Ein Kommentar eines Nutzers: "Ich finde die Stadt sollte lieber mal die existierende Gebiete vermarkten! Wenn ich da nur mal an das alte Polyplastwerk und den Wagonbau in Ammdendorf denke oder das Gebiet um die Weststraße in Neustadt und den Hafen in Trotha. Da gibt es für unseren Stadtoberhaupt noch genug zu entwickeln."

Noch kannst Du die Nordtangente und den riesigen Gewerbepark verhindern!