Gutachten zur Nordtangente in Halle (Saale)


Der gesamte Nord-Süd und Ost-West Verkehr durch Halle kann zukünftig über die Nord- und Osttangente erfolgen

Was kann ich tun?

Trassenführung der geplanten Nordumfahrung

Ein geplanter Riesen-Logistikpark in Halle-Tornau bringt mehr Lkw-Verkehr und schafft die Voraussetzungen für eine Nordtangente

Oberbürgermeister Bernd Wiegand drückte aufs Tempo und wollte die Nordtangente schnellstmöglich beschließen. Diese Pläne sind aufgrund der Bürgerproteste verschoben worden (2025). Mit einem Logistikgewerbepark bei Tornau könnten aber schon heute die Voraussetzungen für eine Nordtangente geschaffen werden.


Welche Gutachten gibt es?

Dezember 2017 Empfehlung für Nordtangente (siehe ab Seite 56)     

Diese Studie wurde vom Oberbürgermeister Bernd Wiegand dem Stadtrat zu Beschluss vorgelegt. Ziel der Studie ist einzig und allein "die Ermittlung eines Trassenkorridors mit möglichst geringen Genehmigungsrisiken" (S.5). Bedarf oder Wirkung auf den Verkehrsfluss wurden nicht geprüft. Die Studie bevorzugt einseitig Trotha für eine weitere Saalebrücke in Halle, da südliche Varianten starken Gegenwind von Anwohnern und Naturschutzverbänden hervorrufen könnte. Eine neue Saalebrücke im Norden von Halle rentiert sich aber nur, wenn mehr Verkehr dorthin gelenkt wird. Hierfür eignet sich eine Nordtangente, die den gesamten Nord-Süd und Nord-Ost Verkehr über die Orte Mötzlich, Frohe Zukunft, Tornau, Seeben, Trotha und Sennewitz leiten könnte. Zusätzlich könnte die Nordtangente auch Verkehr von der A14 - A143 anziehen. Die Autoren der Studie kennen wahrscheinlich nicht die Verkehrssituation in Halle: Die Überlastung der Giebichensteinbrücke und der Hochstraße kann nicht durch eine nördliche Brücke außerhalb der Stadt beseitigt werden.

Autoren der Studie: Landschaftsarchitekten Knoblich aus Brandenburg mit Kernkompetenzen im Wasserbau, Bergbausanierung, alternativer Energien und Krankenhäusern. Das Büro in Halle (Saale) mit insgesamt 2 Mitarbeitern sucht dringend 3 Neueinsteiger. Erfahrungen für die Verkehrssituation in Halle werden nicht vorausgesetzt.

Quelle: www.buergerinfo.halle.de/getfile.asp?id=205186&type=do&


Juli 2018 Empfehlung für verlängerte Nordtangente von Mötzlich bis Kröllwitz     

Reiner Halle (80 Jahre) und Udo Schumann (76 Jahre) fordern eine massiv ausgebaute "leistungsfähige, mindestens 2-streifige" Trasse von der B100/Osttangente bis nach Kröllwitz und Dölau und zusätzlich eine neue Stadtautobahn vom Zoo bis zur Nordtangente. Orte wie Mötzlich, Tornau, Seeben und Sennewitz werden dabei von Halle regelrecht abgeschnitten. Dieser Plan wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Oberbürgermeister Bernd Wiegand, Stadtplanungschef Lars Loebner und dem damaligen Baudezernent Uwe Stäglin besprochenen.

Autoren der Studie: Die Privatpersonen Reiner Halle (war in den 60er Jahren Bauleiter des Thälmannplatzes) und Udo Schumann (ehemals Physiker) vom privaten Verein Stadtgestaltung Halle treffen sich regelmäßig mit dem Oberbürgermeister unter Ausschluss der Öffentlichkeit und setzten sich für den Saaleausbau, für die Hochhaus-Scheiben in Neustadt und für die Hochstraße ein, konnten aber den Abriss der Riebeckplatz-Hochhäuser nicht verhindern.

Quelle: www.stadtgestaltunghalle.jimdo.com/2018/07/19/verkehrsplanung/


1974 und 1996 keine Empfehlung für einen Streckenverlauf wie die Nordtangente

Die DEGES - Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH musste bei der Planung und Ausführung der A14 die urspürgliche Planung aus den dreißiger Jahren über Sennewitz/Morl aufgeben, da die Strecke komplett über Altbergbaugebiet / Senkungsgebiet und eine große Aschenspülhalde führt. Diese Strecke ist identisch mit der angedachten Trassenfreihaltung der Nordtangente. Auch die Planer der Stadt Halle mussten dies damals zur Kenntnis nehmen und haben die geplante „Zoostraße“ als Anbindung an die A14 im Flächennutzungsplan der Stadt lediglich als Trassenfreihaltung parallel zur Halle-Halberstädter-Bahn aufgenommen. Was passiert, wenn man auf nicht standfesten Grund baut, kann man an den Senkungen und der damit erfolgten Totalsperrung auf der A 20 bei Tribsees sehen.
Weitere Informationen in Günter Krummbiegel und Max Schwab: Saalestadt Halle und Umgebung – ein geologischer Führer Teil 1 und 2 – 1974
Teil 2 S. 27 ff. – Die Braunkohlengrube „Karl Ernst"und der Braunkohlenbergbau im Norden von Halle
Auch das Landesamt für Geologie und Bergwesen in der Köthener Straße besitzt umfangreiches Material und Karten zum Altbergbau.

Autoren der Studie: DEGES - Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (verantwortlich für die Planung und Baudurchführung der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit)

Mai 2009 Verkehrszählung aus dem Jahr 2009     und Gutachten des Verkehrsplanungsbüros Stadt–Verkehr–Umwelt    

Der Durchgangsverkehr beträgt nur 5,3% auf der Hochstrasse und 2,8% auf der Giebichensteinbrücke. Minimale Entlastung, aber nur nur solange die A143 nicht fertig gestellt ist. Fraglich bleibt, ob der innerstädtische Verkehr und Anlieferverkehr freiwillig eine längere Ausweichroute um Halle herum nehmen würde.

Juni 2015 keine Empfehlung für Nordtangente (siehe Folie 27)     

Dieses Gutachten analysiert intensiv die Verkehrssituation in Halle und kommt zu den Schluss, dass eine Nordtangente nicht notwendig ist, weil der bisherige Nord-Ost-Verkehr sehr gut über die vorhandene zweispurige Verbindung B100 und Trothaer Straße fließt. Oberbürgermeister Bernd Wiegand will jedoch unbedingt die Nordtangente haben. Deshalb beachtet er diese Studie nicht.

Autoren der Studie: IVAS - Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und –systeme in Dresden - ein anerkanntes Planungs- und Beratungsunternehmen mit langjährigen Erfahrungen in Analyse, Planung, Bau und Steuerung von Verkehr, dass sich seit Jahren gut mit der Verkehrssituation in Halle auskennt.

Quelle: www.halle.de/push.aspx?s=downloads/de/Verwaltung/Stadtentwicklung/Verkehr/Planung/Verkehrsentwicklungs-06624/vortrag_ivas_150625korr.pdf


September 2018 keine Empfehlung für Nordtangente     

Analyse der Verkehrslage der jetzigen Verbindung zwischen Anschluss Osttangente bei Peissen und Trothaer Hafen mittels FCD (Floating Car Data) von Google Maps basierend auf den GPS Standortdaten von Android und iOS Smartphones. Die Fahrzeitanalyse spricht gegen die Kosten einer zusätzlichen, längeren(!) Nordtangente.

Autoren der Studie: nordtangente.info - basierend auf Methodik der Studie der IHK über "Maßnahmen gegen den Stau in Stuttgart" von PTV Transport Consult GmbH

Quelle: www.nordtangente-halle.blogspot.com/2018/09/aktuelle-verkehrsanalyse-zeigt-keine.html   +   www.nordtangente.info/traffic_api




Welche Gründe gibt es für eine Nordtangente?

Es gibt 2 Gründe für die Nordtangente:

1) Verlagerung des innerstädtischen Verkehrs nach außen
2) Anbindung der neuen Gewerbegebiete Sennewitz und Tornau/Oppin

zu 1) Staureduzierung in Trothaer Straße und Paracelsusstraße klingt gut, wird aber nicht durch eine Nordtangente erreicht, da die Verkehrsströme, die diese Staus verursachen (außerstädtisch von Norden bzw. Osten in die Stadt und umgekehrt) nicht die Nordtangente nutzen werden (einfach ein paar GoogleMaps Routenberechnungen durchführen, siehe auch weiter unten). Der Durchgangsverkehr auf der Paracelsusstraße beträgt übrigens nur 6%. Quelle: Verkehrszählung der Stadt

zu 2) Das Gewerbegebiet Sennewitz liegt 5 km von der A14-Anschlussstelle Trotha entfernt, das Gewerbegebiet Tornau/Oppin liegt direkt an der A14-Anschlussstelle Halle/Tornau.


Es gibt nicht nur keine belastbaren Gründe für eine Nordtangente, es gibt bereits bessere Alternativen. Zum Vergleich der Alternativen mit der Nordtangente, ist folgende Frage wichtig:

Wieviel Zeitersparnis bringt die Nordtangente für Autofahrer?

Die Nordtangente führt von der Osttangente bei Peißen zum Trothaer Hafen und wird ca. 9km lang. Mit dem Auto braucht man 7 min(*), dazu kommen mindestens 3 Ampelkreuzungen und der letzte Kilometer in Trotha wird im Stadtgebiet mit max 50km/h sein. 10 min scheinen realistisch.
(*) Ein Durchschnittgeschwindigkeit von 80km wird für Landstraßen angenommen, Autobahnen 110km (siehe S.149 "Regionalentwicklung in Deutschland und ihre Determinanten" und ADAC).

Wie sehen die existierenden Alternativen aus:

  1. die fast durchgängig zweispurige Straße von der Osttangente zum Trothaer Hafen durch die Stadt ist 7km lang. GoogleMaps sagt realistische 11min (ein normaler Dienstag am Mittag) Wieso diese Strecke so schnell ist, wird auf der Karte sichtbar: Sie ist kürzer als die Nordtangente, fast durchgängig zweispurig und ein Drittel der Strecke besteht aus der Schnellstraße B100! Google Maps von der Osttangente durch Halle (Saale) zum Hafen Trotha

  2. B100 zur A14 bis Abfahrt Oppin, dann über die wenig befahrene Straße über Seeben. 16 min. Möchte man nicht zum Trothaer Hafen, sondern etwas weiter nördlicher in Richtung Morl oder Sennewitz, ist man von der A14 über Oppin und Gutenberg schneller. Auch diese Strecke ist sehr wenig befahren. 13 min. Google Maps von der Osttangente über A14 zum Hafen

Es existieren somit einige Alternativen, die eine praktisch so schnell wie die Nordtangente, die andere wenig befahren und somit Stau-unanfällig. Wieso dann viele Millionen ausgeben?


Betrachten man die Verkehrsströme die nicht direkt von der Osttangente kommen oder nicht direkt zum Trothaer Hafen wollen, schneidet die Nordtangente noch schlechter ab.
Beispiel: Außerstädtischer Verkehr Norden-Osten: Hier ist die A14 erste Wahl, da direkte Autobahnverbindung. Liegen Ziel oder Start innerstädtisch, verlängert ein Umweg über die außerstädtische Nordtangente die Strecke. Ebenso wenn sowohl Ziel als auch Start innerstädtisch liegen.

Fazit: Für weniger als 1-5 min schneller von Ost nach Nord viele Millionen Euro ausgeben und Felder Umwelt zerstören? Die Minuten-Einsparung verursacht andererseits Stauungen aufgrund neuer Kreuzungen an den vorhandenen Ein/Auspendelstraßen Magdeburger Chaussee, Köthener Straße, Dessauer Straße. Die Minuten-Einsparung der Nordtangente ist also nichts weiter als die Summe von Wartezeiten an anderer Stelle.


Wird der Ost-West-Durchgangsverkehr reduziert?

Halles neuer Baudezernet René Rebenstorf meint: "Die B80 nimmt den Verkehr der A143 auf, der auf die A9 oder A14 will. Es fehlt eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung, die nicht durch die Innenstadt geht." Quelle: Top Magazin Halle (Saale)
Wie oben erwähnt, beträgt der Ost-West-Durchgangsverkehr nur ca. 5%. Die optimalsten Lösung wäre für diesen Verkehr eine durchgängige, große Nordtangente von der A143 bis zur A14 mit Saalebrücke, d.h. auch mit neuem, direktem Anschluß an die A14 oberhalb von Mötzlich (also ohne Umweg über B100 zur A14).
Mit der A143 wird die Nordtangente überflüssig
Geht man weiterhin von der optimistischster Annahme aus, dass der Ost-West-Verkehr durchgängig Grünphase bei allen Ampeln hat und durchgängig mind. 70km/h erlaubt sind, benötigt man für die Strecke Salzmünde (Autobahnabfahrt A143) - Peißen (Autobahnabfahrt A14): Eindeutiges Fazit: Die Strecke über die Autobahn wird schneller als eine große, otimale Nordtangente. Der Ost-West-Durchgangsverkehr benötigt keine neue (langsamere!) Trasse.
Für den Halle-Umlandverkehr und den innerstädtische Verkehr ist die Umgehungsstrasse am Stadtrand nicht relevant.
Sinnvoll ist die Nordtangente nur für die Bürger aus Sennewitz und Seeben, die nach Peissen zum Einkaufen fahren wollen, bzw. für die Bürger aus Mötzlich und Tornau, die zum Trothaer Hafen wollen. Aber gerade laufen gegen die Nordtangente Sturm!

Wem nutzt die Nordtangente?

Die Stadträte meinen, die Nordtangente mit eigener Saalebrücke sei insbesondere für den Fernverkehr attraktiv: Im Osten der Anschluss an die B100/Osttangente. Im Westen eine gut ausgebaute Verbindung an Lettin und Dölau vorbei bis Salzmünde (Quelle: ISEK Halle 2025 s. Karte II-5). Damit steht dem Fernverkehr eine durchgängige, kurze und mautfreie Alternative zum Autobahnring zur für Verfügung - von der A38/A143 bei Salzmünde (50.000 Kfz/24h inkl. 10.000 Lkw/24h) bis zur A14/B100 bei Peißen (40.000 Kfz/24h inkl. 10.000 Lkw/24h). Quelle: Bundes-DEGES
Diese Anname wird jedoch mit Fertigstellung der A143 obsolet!


Verkehrsströme um Halle (Saale)

Mit Fertigstellung der Nordtangente wird der Verkehr von/nach Norden um 17% (2500 Kfz) und er Verkehr von/nach Osten auf der B100 um 14% (6500 Kfz) abnehmen. Selbst Befürworter CDU/FDP geben zu "Das Bestandsnetz funktioniert" [Amtsblatt S.4] schon heute, hoffen aber, dass der Stau auf der Hochstraße bei Baustellen und Unfällen durch eine Nordtangente verringert wird. Dazu folgende Fakten:

Die Nordtangente führt zur keiner Verringerung des innerstädtische Verkehrs oder Anlieferverkehrs in Halle, da innerstädtische Routen kürzer, direkter und meist schneller sind (s. Google Maps Analysen). Auch eine Verringerung des Halleschen Durchgangsverkehrs ist nicht zu erwarten. Dieser beträgt jedoch sowieso nur 5,3% auf der Hochstrasse und 2,8% auf der Giebichensteinbrücke. Quelle: Verkehrszählung der Stadt Halle, Gutachten des Verkehrsplanungsbüros Stadt–Verkehr–Umwelt


Die Verkehrszählung aus dem Jahr 2009 der Stadt Halle ergab:

  1. Quellverkehr (Fahrzeuge aus dem westlichen Teil von Halle, die nach Osten fahren): ca. 2000 Kfz/16h
  2. Durchgangsverkehr (von Süd nach Nord+Ost): 414 Kfz/16h
  3. Durchgangsverkehr (von B80 nach Ost): 1491 Kfz/16h (entfällt mit A143-Lückenschluss)
Es könnten theoretisch also potenziell ca. 2 x 2.000 Kfz/16h innerstädtischer Verkehr auf die Nordtangente umgeleitet werden (solange die A143 nicht fertig ist). Das entspricht zwar nur eine Entlastung von unter 9% für den Verkehr in Halle - wäre jedoch eine enorme Belastung für Anwohner, Natur und Stadtkasse. Fraglich bleibt, ob der innerstädtische Verkehr und Anlieferverkehr freiwillig eine längere Ausweichroute um Halle herum nehmen würde. Die Zeitersparnis über die Nordtangente wäre im Regelfall NULL und beträgt selbst zu Spitzenzeiten wie freitags 15 Uhr maximal 10 Minuten (s. Floating Car Data Analysen dieser Strecke).

Verkehrsströme und Abkürzungen
Autobahnfernverkehr nimmt Nordtangente (rot) anstatt A143 und A14 (orange). Innerstädische Verkehr über Hochstraße (hellgrün) nimmt Nordtangente nicht, da Umweg (dunkelgrün).



Fazit: Die für die Nordtangente infrage kommenden Verkehrsströme werden sich um 14 % - 17 % mit dem A143-Lückenschluss verringern. Der innerstädtische Verkehr wird nicht den langen Umweg aus der Stadt herausnehmen. Allein als Abkürzung des Autobahnfernverkehrs wäre die Nordtangente sinnvoll, aber nur mit zusätzlicher Saalebrücke und Anschluß an Salzmünde. Der Autobahnverkehr sollte nicht für Millionen Euros näher an Halle geholt werden.



Noch kannst Du das geplante Gewerbegebiet Tornau, und damit die Nordtangente verhindern!!